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<title>Frigidität</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Frigidität</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Frigidität</b> (von lateinisch <i>frigidus</i> „kühl, kalt“; historisch auch <b>Geschlechtskälte</b>) ist eine veraltete Bezeichnung für <a href="Sexuelle_Dysfunktion" title="Sexuelle Dysfunktion">sexuelle Funktionsstörungen</a> von Frauen. Verschiedene Autoren verstehen darunter <a href="Sexuelle_Appetenzst%C3%B6rung" title="Sexuelle Appetenzstörung">sexuelle Appetenzstörungen</a>, <a href="Sexuelle_Erregung" title="Sexuelle Erregung">sexuelle Erregungsstörungen</a> oder <a href="Orgasmus" title="Orgasmus">Orgasmusstörungen</a>.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Begriff ist als Fachausdruck veraltet, aber allgemeinsprachlich nach wie vor populär. Er wird dabei oft als „Gefühlskälte“ abwertend verwendet.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Begriff bezieht sich auf Sexualstörungen bei der Frau. Beim Mann spricht man von der <a href="Erektile_Dysfunktion" title="Erektile Dysfunktion">Impotenz</a>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ursachen">Ursachen</h2></div>
<p>Die häufigste Ursache für einen ausbleibenden Orgasmus bei Frauen dürfte die unzureichende Stimulation der Klitoris während des Sexualaktes sein. Ausreichend lange adäquate klitorale Stimulation kann Orgasmen bewirken, quasi unter Kurzschließung des übrigen sexuellen Systems.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der bei der Frau langsamere Aufbau der sexuellen Erregung und der Koitus, der für den Mann nicht selten ein Kampf um Erektion und gegen Ejakulation ist, bieten eine Reihe von möglichen Ursachen für das Ausbleiben des Orgasmus bei der Frau. Frauen haben höchst unterschiedliche Erwartungen an den Koitus: Von der Partnergratifikation über lustvolle Intimität bis zu der Aussicht, präferenziell so die gewünschte Qualität von Erregung und Orgasmus zu erleben. Das phasenweise Auftreten von sexuellem Desinteresse oder mangelndem Gefühl ist ein breites Phänomen und in der Regel kein Anzeichen für eine Störung. Erst wenn die Lustlosigkeit ungewöhnlich lange anhält, sexuelle Gefühle nicht möglich sind oder eine deutliche Verschlechterung des körperlichen Empfindens festzustellen ist, könnte es sich um eine <a href="Sexualmedizin" title="Sexualmedizin">sexualmedizinisch</a> relevante Beeinträchtigung handeln.
</p><p>Ein anhaltender Mangel an <a href="Libido" title="Libido">Libido</a> kann ebenso durch körperliche Funktionsbeeinträchtigung (etwa hormonelle Störungen) verursacht sein, wie als Folge psychischer Beeinträchtigungen (<a href="Depressionen" class="mw-redirect" title="Depressionen">Depressionen</a>, <a href="Posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung" title="Posttraumatische Belastungsstörung">posttraumatische Belastungsstörung</a> besonders nach <a href="Vergewaltigung" title="Vergewaltigung">Vergewaltigungen</a> und anderen <a href="Trauma_(Psychologie)" title="Trauma (Psychologie)">traumatisierenden</a> oder <a href="Ekel" title="Ekel">abstoßenden</a> Erlebnissen z. B. durch Partner, die keine ausreichende <a href="Intimpflege" class="mw-redirect" title="Intimpflege">Intimpflege</a> und <a href="Intimhygiene" class="mw-redirect" title="Intimhygiene">Intimhygiene</a> betreiben) oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Auf <a href="Coitus_interruptus" title="Coitus interruptus">Coitus interruptus</a> können Frauen, die das als frustrierend erleben, mit Frigidität reagieren.
</p><p>Manche Patientinnen und Patienten haben bisher überhaupt keine entsprechenden positiven <a href="K%C3%B6rpererfahrung" title="Körpererfahrung">Körpererfahrungen</a> erlebt, ebenso wenig den durch <a href="Masturbation" title="Masturbation">Masturbation</a> möglichen sexuellen <a href="Genuss" title="Genuss">Genuss</a>. Die Ursachen können verschiedenartig sein und etwa in frühkindlichen negativen Erlebnissen oder einer sexualfeindlichen Erziehung liegen. Als Folge können <a href="Phobische_St%C3%B6rung" class="mw-redirect" title="Phobische Störung">Ängste</a> oder <a href="Aversion" title="Aversion">Aversionen</a> vor dem eigenen Körper auftreten.
</p><p>Nach <a href="Geburt" title="Geburt">Geburten</a> berichten Frauen häufiger von sexueller Lustlosigkeit, vor allem der Zeit des <a href="Wochenbett" title="Wochenbett">Wochenbetts</a>. <a href="L%C3%A4sion" title="Läsion">Läsionen</a> in der Wandung der <a href="Vagina_des_Menschen" title="Vagina des Menschen">Vagina</a>, eine noch nicht verheilte <a href="Chirurgische_Naht" class="mw-redirect" title="Chirurgische Naht">Naht</a> nach einem <a href="Dammschnitt" title="Dammschnitt">Dammschnitt</a> oder <a href="Dammriss" title="Dammriss">Dammriss</a> und Müdigkeit können sexuelles Verlangen verhindern. Durch die hormonellen Veränderungen kann die Scheide trocken und empfindlich sein.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hinzu kommt die Beanspruchung der Mutter bei der Versorgung des <a href="Neugeborenes" title="Neugeborenes">Neugeborenen</a>. Das Fehlen sexuellen Verlangens ist in dieser Zeit meist eine vorübergehende Erscheinung.
</p><p>Sexuelles Desinteresse gegenüber einem Partner, der subjektiv als wenig <a href="Attraktivit%C3%A4t" title="Attraktivität">attraktiv</a> empfunden wird oder dessen Sexualverhalten den Genuss des anderen Partners eher verringert als steigert, ist kein Hinweis auf Frigidität. Ein Desinteresse kann aber auch andere nichtpathologische Gründe haben, etwa eine nicht bewusste, nicht eingestandene, verdrängte oder verheimlichte andere <a href="Sexuelle_Orientierung" title="Sexuelle Orientierung">sexuelle Orientierung</a>; so liegt bei einem Mangel an Verlangen nach Sex mit einem gegengeschlechtlichen Partner womöglich eine unterdrückte <a href="Homosexualit%C3%A4t" title="Homosexualität">Homosexualität</a> vor. Das vollständige Fehlen sexueller Anziehung zu anderen Menschen oder auch grundsätzliches Desinteresse an Sex bezeichnet man als <a href="Asexualit%C3%A4t" title="Asexualität">Asexualität</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Auswirkungen">Auswirkungen</h2></div>
<p>Das mangelnde sexuelle Interesse eines von beiden Partnern kann zu weitreichenden Problemen in der Partnerschaft führen, etwa zu beidseitigen Unzulänglichkeits- und Minderwertigkeitsgefühlen, gegenseitigem Ausweichen, Schuldzuweisungen, aggressivem Verhalten, <a href="Seitensprung" title="Seitensprung">Fremdgehen</a> und gegenseitiger Entfremdung bis hin zu Trennungsabsichten.
</p><p>Um nicht als „frigide“ zu gelten, täuschen manche Frauen <a href="Lust" title="Lust">Lustgefühle</a> und einen <a href="Orgasmus" title="Orgasmus">Orgasmus</a> vor.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Historische_Sichtweise">Historische Sichtweise</h3></div>
<p>Die Psychoanalytiker <a href="Eduard_Hitschmann" title="Eduard Hitschmann">Eduard Hitschmann</a> und <a href="Edmund_Bergler" title="Edmund Bergler">Edmund Bergler</a> vom Psychoanalytischen Ambulatorium der <a href="Wiener_Psychoanalytische_Vereinigung" title="Wiener Psychoanalytische Vereinigung">Wiener Psychoanalytischen Vereinigung</a> beschrieben im Jahr 1934 die weibliche Frigidität als eine <b>vaginale Orgasmusunfähigkeit</b>:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Unter Frigidität verstehen wir die <b>vaginale</b> Orgasmusunfähigkeit der Frau. Dabei spielt es für den Effekt der Frigidität keine Rolle, ob die Frau während des <a href="Vaginalverkehr" title="Vaginalverkehr">Koitus</a> kalt bleibt oder erregt ist, ob die Erregung schwach oder stark ist, ob sie am Anfang oder am Ende langsam oder jäh abbricht, ob die Erregung bei den Vorlustakten aufgezehrt wird oder von Anfang an fehlt. Das einzige Kriterium der Frigidität ist das Ausbleiben des <b>vaginalen</b> Orgasmus.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <cite style="font-style:normal">[Hervorhebungen durch Fettdruck im Original]</cite><sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p>Als Ursachen für die „vaginale Orgasmusunfähigkeit“ wurden u. a. genannt:
</p>
<ul><li>die <a href="%C3%96dipuskonflikt" title="Ödipuskonflikt">Ödipusfixierung</a> an den Vater mit konsekutivem Genussverbot aus dem unbewussten Strafbedürfnis,</li>
<li>die Nichterledigung des <a href="Kastrationskomplex" class="mw-redirect" title="Kastrationskomplex">Kastrationskomplexes</a> und der Männlichkeitswünsche,</li>
<li>die Ablehnung der weiblichen, passiv-<a href="Masochistin" class="mw-redirect" title="Masochistin">masochistischen</a> Rolle sowie</li>
<li>das Festhalten <a href="Pr%C3%A4genital" title="Prägenital">prägenitaler</a> unbewusster Phantasien und Fixierungen, so das gewalttätig Genommenwerdenwollen, unbewusste <a href="Homosexualit%C3%A4t" title="Homosexualität">Homosexualität</a> und sexualverbietende Ideologien.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<p>In dieser Sichtweise der klassischen Psychoanalyse ist der Wandel der <a href="Erogene_Zone" title="Erogene Zone">erogenen Leitzone</a> des Mädchens von entscheidender Bedeutung. Während der Zeit der infantilen Frühblüte der Sexualität sei fast immer die <a href="Klitoris" title="Klitoris">Klitoris</a> das Zentrum der Erregbarkeit, während die <a href="Vagina_des_Menschen" title="Vagina des Menschen">Vagina</a> psychologisch noch nicht entdeckt sei.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Spätestens in der <a href="Pubert%C3%A4t" title="Pubertät">Pubertät</a> sollte es der heranwachsenden Frau im Rahmen ihrer gesunden psychosexuellen Entwicklung gelingen, die Klitoris als erogene Leitzone an die Vagina abzutreten, um die vollständige Lustfähigkeit im Sexualakt zu erlangen. Für die Psychoanalytikerin <a href="Helene_Deutsch" title="Helene Deutsch">Helene Deutsch</a> übernimmt die Vagina im <a href="Vaginalverkehr" title="Vaginalverkehr">Koitus</a> unter Reizleitung des <a href="Penis" title="Penis">Penis</a> die Rolle des saugenden Mundes in der Gleichsetzung Penis = Brust. Bei frigiden Frauen seien daher häufig orale Symptome wie <a href="Essst%C3%B6rung" title="Essstörung">Essstörungen</a> oder hysterisches Erbrechen zu beobachten.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Wiener Psychoanalytiker und Freud-Schüler <a href="Wilhelm_Reich" title="Wilhelm Reich">Wilhelm Reich</a> beschreibt die Hauptursache der „orgastischen Impotenz der Frau“ in der Angst vor dem <a href="Orgasmus" title="Orgasmus">Orgasmus</a>.<sup id="cite_ref-Reich_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-Reich-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In manchen Fällen, so Reich, hemme die Angst, während des Orgasmus zu defäzieren oder zu urinieren, sein Zustandekommen. Mit dem Orgasmus sei ein Gefühl verbunden, „etwas“ oder „sich zu verlieren“, was letztlich der „uralten <a href="Kastrationsangst" title="Kastrationsangst">Kastrationsangst</a>“ entstamme und deshalb mit Angst erlebt werde.<sup id="cite_ref-Reich_10-1" class="reference"><a href="#cite_note-Reich-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nach Auffassung von Reich könne in diesen Fällen das Erleben des Orgasmus im Rahmen der Selbstbefriedigung zu einer Heilung beitragen.<sup id="cite_ref-Reich_10-2" class="reference"><a href="#cite_note-Reich-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im weiteren Verlauf seiner Studie zu den Ursachen weiblicher Orgasmusstörungen, unterscheidet er zwischen der „hysterischen Impotenz“ und der „zwangsneurotischen Impotenz“. Die „hysterische Impotenz“ sei geprägt von einer vaginalen Unempfindlichkeit und Ängstlichkeit beim Geschlechtsverkehr aufgrund einer unbewussten Kastrationsangst. Der Grund für die „zwangsneurotische Impotenz“ sei der unbewusste Wunsch, einen Penis zu besitzen und sich den Penis des Mannes anzueignen. In diesen Fällen sei die genitale Stufe der Sexualentwicklung nicht erreicht worden, sondern während der kindlichen Entwicklung eine Fixierung auf der anal-sadistischen Stufe erfolgt. Diese Frauen litten nicht nur unter Orgasmusstörungen, sondern auch unter sexueller Appetenzlosigkeit.<sup id="cite_ref-Reich_10-3" class="reference"><a href="#cite_note-Reich-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Psychoanalytikerin <a href="Karen_Horney" title="Karen Horney">Karen Horney</a> erklärt die Frigidität mit einer Angst vor einer inneren, also vaginalen Beschädigung während des Geschlechtsaktes. So schrieb Horney im Jahre 1926: „Ich meine also, dass in diesem Sinne, sowohl der Ödipusphantasien als auch der sich konsequenterweise daran knüpfenden Angst vor einer inneren – also vaginalen – Beschädigung, doch die Vagina neben der Klitoris eine Rolle in der frühinfantilen weiblichen Genitalorganisation spielt. Man könnte sogar aus den späteren Erscheinungen der Frigidität schließen, dass die Vaginalzone eher stärker mit Angst- und Abwehreffekten besetzt ist als die Klitoris, und zwar darum, weil die inzestiösen Wünsche (auf den Vater) mit der vollen Treffsicherheit des Unbewussten auf sie bezogen wurden.“<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Heutige_Sichtweisen">Heutige Sichtweisen</h3></div>
<p>Dem historischen Erklärungsmodell wurde sowohl von <a href="Feminismus" title="Feminismus">feministischer</a> Seite wie auch von Psychoanalytikerinnen heftig widersprochen. Seit den Forschungsergebnissen von <a href="Masters_und_Johnson" title="Masters und Johnson">Masters und Johnson</a> gilt es als überholt (obsolet). Diese konnten die Unterscheidung zwischen klitoralem und vaginalem Orgasmus endgültig widerlegen. Die Forscher zeigten, dass <a href="Klitoris" title="Klitoris">Klitoris</a> und Vagina durch ein Netzwerk von Muskeln und Nerven verbunden sind und gemeinsam die sexuelle Reaktion ermöglichen.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Bedeutung_der_Klitoris">Bedeutung der Klitoris</h4></div>
<p>Da bei der Auslösung des weiblichen Orgasmus die Klitoris eine wesentliche Funktion hat,<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wird bei vielen Frauen durch das alleinige Bewegen des Penis in der Vagina kein Orgasmus ausgelöst, wohl aber, wenn dabei auch Berührungen der Klitoris erfolgen. Daher kann bei fehlender Stimulation der Klitoris während des Vaginalverkehrs nicht von „Unfähigkeit“ gesprochen werden.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Sigmund_Freud" title="Sigmund Freud">Sigmund Freud</a> schrieb 1931: „Wir haben … verstanden, die Entwicklung der weiblichen Sexualität werde durch die Aufgabe kompliziert, die ursprünglich leitende genitale Zone, die Klitoris, gegen eine neue, die Vagina, <i>aufzugeben</i>.“<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Marie_Bonaparte" title="Marie Bonaparte">Marie Bonaparte</a> führte hierüber eine Kontroverse mit Sigmund Freud.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Helen_O%E2%80%99Connell_(Medizinerin)" title="Helen O’Connell (Medizinerin)">Helen O’Connell</a> konnte die wesentliche Funktion der Klitoris nachweisen. Feministinnen, darunter <a href="Betty_Dodson" title="Betty Dodson">Betty Dodson</a>, widersprachen den Ansichten früherer Psychologen, die einen „vaginalen Orgasmus“ ohne Klitorisstimulation für ein wesentliches Kennzeichen sexueller Gesundheit hielten. Lesbische Frauen feiern die klitorale Stimulation so weit, dass sie den Penis für verzichtbar erklären.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach wie vor strittig ist allerdings die Frage, inwiefern bei der Klitoris und dem Penis von einer Homologie oder Analogie gesprochen werden kann. Anatomisch unterscheiden sich die männlichen und weiblichen Geschlechtsteile stark, so enthält die <a href="Glans_penis" title="Glans penis">Glans</a> penis auch Teile der erogenen Harnröhrenschwellkörper, die sich bei der Frau im Vorhof der Vagina befinden. Die von Sigmund Freud vorgenommene Gleichsetzung „Penis = Klitoris“ ist insofern anatomisch nicht korrekt.
</p><p>Nach Erkenntnissen von <a href="Volkmar_Sigusch" title="Volkmar Sigusch">Volkmar Sigusch</a> (2013) ist aus sexualphysiologischer Sicht die Hypothese von den zwei Modi des weiblichen Orgasmus nicht haltbar. Der Orgasmus könne nur als komplexe Reaktion des Gesamtorganismus verstanden werden. Es gäbe keinen Orgasmus der Klitoris, der Vagina oder anderer Organe allein, da viele Organe auf sexuelle Stimulation reagieren. Höchstwahrscheinlich seien alle <a href="Organsystem" title="Organsystem">Organsysteme</a> beteiligt.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Grundsätzlich ist ein Orgasmus aus sexualmedizinischer Sicht auch ohne genitale Stimulation möglich,<sup id="cite_ref-Sexualmedizin_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-Sexualmedizin-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die historische Literaturquelle, in welcher der Begriff vaginale Orgasmusunfähigkeit gebraucht wird, bezieht sich jedoch auf den <a href="Vaginalverkehr" title="Vaginalverkehr">Vaginalverkehr</a>, bei dem die Eichel des Penis stimuliert wird, die Eichel der Klitoris hingegen nur gering oder gar nicht.
</p><p>Demnach wäre zu differenzieren, ob das Ausbleiben des Orgasmus beim Vaginalverkehr an fehlender Klitorisstimulation oder anderen Mängeln liegt, oder ob der Orgasmus trotz ausreichender Stimulation der Klitoris und sonstiger Stimuli ausbleibt, so dass man von einer sexuellen Funktionsstörung sprechen kann.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Biologische_Bedeutung_des_Orgasmus">Biologische Bedeutung des Orgasmus</h4></div>
<p>Hinsichtlich der biologischen Bedeutung des Orgasmus ist durch die Koppelung von Ejakulation mit dem Erregungshöhepunkt für die Männer ein reproduktiver Vorteil unstrittig, der jedoch für Frauen nicht in gleichem Maße besteht. Beier <a href="Et_al." title="Et al.">et al.</a> argumentieren, dass der Orgasmus bei Frauen ebenfalls reproduktive Vorteile mit sich bringen könnte, weil die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur zu einer Absenkung des Uterus und damit zu einer Erleichterung für die Aufnahme des Ejakulats durch eine Saugwirkung führen könnte. Hierfür könnte auch die Dilatation (Weitung) des Cervix-Mundes sprechen, die orgasmusbegleitend eintritt. Dazu kommt die Prolaktin-Ausschüttung, die beim Orgasmus der Frau besonders hoch ist und damit die „Umschaltung“ auf Mutterschaft neurobiologisch zum Ausdruck bringt.<sup id="cite_ref-Sexualmedizin_20-1" class="reference"><a href="#cite_note-Sexualmedizin-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Ursachen_von_Orgasmusstörungen"><span id="Ursachen_von_Orgasmusst.C3.B6rungen"></span>Ursachen von Orgasmusstörungen</h4></div>
<p>Ein Ausbleiben des weiblichen Orgasmus kann vielfältige körperliche Ursachen haben (siehe <a href="Dyspareunie" title="Dyspareunie">Dyspareunie</a>), aber auch psychologische.
</p><p>Die modernen sexualmedizinischen Erklärungen für psychisch bedingte sexuelle Funktionsstörungen basieren vorwiegend auf kognitions- und stresspsychologischen Forschungsrichtungen. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine <a href="Sexuelle_Dysfunktion" title="Sexuelle Dysfunktion">sexuelle Dysfunktion</a> durch einen <a href="Kognition" title="Kognition">kognitiven</a> Interferenzprozess (Überlagerungsprozess) verursacht wird, der wesentlich von Ablenkung bestimmt wird, von der mangelnden Aufmerksamkeit gegenüber sexuellen Reizen und von der Verarbeitung irrelevanter Informationen. Die sexuelle Reaktion der Frau hänge eher von Bedürfnissen nach Intimität und Vertrauen als vom Bedürfnis nach physischer sexueller Erregung und Befriedigung ab. Beier et al. halten den Forschungsstand zur Verursachung sexueller Funktionsstörungen allerdings nach wie vor für unbefriedigend, was vor allem für weibliche Störungen gelte.<sup id="cite_ref-Sexualmedizin_20-2" class="reference"><a href="#cite_note-Sexualmedizin-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der modernen psychiatrischen <a href="Nomenklatur" title="Nomenklatur">Nomenklatur</a> werden Orgasmusstörungen in die <a href="Sexuelle_Dysfunktion" title="Sexuelle Dysfunktion">sexuellen Dysfunktionen</a> (F52.3 im <a href="ICD-10" title="ICD-10">ICD-10</a>) eingeordnet, die primär oder situativ sein und körperliche oder psychische Ursachen haben können.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Therapie">Therapie</h2></div>
<p>Für Patienten, die unter einer Störung ihrer Libido leiden, empfiehlt es sich, etwaige organische Ursachen durch einen Arzt klären und behandeln zu lassen. Sofern die Ursachen im seelischen Bereich liegen – z. B. bei psychischen Blockaden – kann eine <a href="Psychotherapie" title="Psychotherapie">Psychotherapie</a> helfen.
</p><p>Wenn Frigidität ein Problem in partnerschaftlichen Beziehungen darstellt, empfiehlt sich unabhängig von festgestellten organischen Ursachen eine beratende <a href="Sexualtherapie" title="Sexualtherapie">Sexualtherapie</a> oder eine <a href="Paartherapie" title="Paartherapie">Paartherapie</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Anaphrodisie" class="mw-redirect" title="Anaphrodisie">Anaphrodisie</a></li>
<li><a href="SSRI-bedingte_sexuelle_Dysfunktion" class="mw-redirect" title="SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion">SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Janine_Chasseguet-Smirgel" title="Janine Chasseguet-Smirgel">Janine Chasseguet-Smirgel</a> (Hrsg.): <i>Psychoanalyse der weiblichen Sexualität.</i> Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974, ISBN 978-3-518-10697-6 (5. Auflage 1981, französische Erstausgabe von 1964).</li>
<li><a href="Eduard_Hitschmann" title="Eduard Hitschmann">Eduard Hitschmann</a>, <a href="Edmund_Bergler" title="Edmund Bergler">Edmund Bergler</a>: <cite style="font-style:italic">Die Geschlechtskälte der Frau. Ihr Wesen und ihre Behandlung</cite>. Ars Medici, Wien 1934 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/Hitschmann_Bergler_1934_Geschlechtskaelte_k/mode/1up">archive.org</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Frigidit%C3%A4t&rft.au=Eduard+Hitschmann%2C+Edmund+Bergler&rft.btitle=Die+Geschlechtsk%C3%A4lte+der+Frau.+Ihr+Wesen+und+ihre+Behandlung&rft.date=1934&rft.genre=book&rft.place=Wien&rft.pub=Ars+Medici" style="display:none"> </span></li>
<li><a href="Volkmar_Sigusch" title="Volkmar Sigusch">Volkmar Sigusch</a>: <i>Sexualitäten. Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten.</i> Campus, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-593-39975-1, S. 470: <i>#87 Kritik der psychoanalytischen Orgasmuslehre</i> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=_TTJAAAAQBAJ&pg=PA470#v=onepage">eingeschränkte Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Frigidit%C3%A4t" class="extiw external" title="wikt:Frigidität">Wiktionary: Frigidität</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.onmeda.de/krankheiten/sexuelle_funktionsstoerungen_der_frau.html">Sexualstörungen der Frau.</a> onmeda.de</li>
<li><a href="Norbert_Finzsch" title="Norbert Finzsch">Norbert Finzsch</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.academia.edu/45611902/Lecture_SFU_Wien_Berlin_March_25th_2021"><i>Die „frigide Neurotikerin“, die Psychoanalyse und die weibliche Genitalverstümmelung.</i> S. 11–15: <i>Der Mythos vom vaginalen Orgasmus.</i></a> <a href="Sigmund_Freud_Privatuniversit%C3%A4t_Wien" title="Sigmund Freud Privatuniversität Wien">Sigmund Freud Privatuniversität Wien</a>, Lecture SFU Wien Berlin March 25th, 2021 (Vortrag SFU); academia.edu; abgerufen am 19. Februar 2022.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.wissen.de/lexikon/frigiditaet"><i> Lexikon - Frigidität.</i></a> Auf: <i>wissen.de</i>; zuletzt abgerufen am 25. Juli 2024.</span>
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</ol>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable" style="border-top-style: solid; border-top-width: 1px; clear: both; font-size:95%; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="Vorlage_Gesundheitshinweis"><div class="noviewer noresize nomobile" style="display: table-cell; padding-bottom: 0.2em; padding-left: 0.25em; padding-right: 1em; padding-top: 0.2em; vertical-align: middle;" aria-hidden="true" role="presentation"><span typeof="mw:File"></span></div>
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Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient weder der Selbstdiagnose noch wird dadurch eine Diagnose durch einen Arzt ersetzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!</div>
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Normdaten (Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4018620-9">4018620-9</a></span> </div>
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